Alexander Laible - Wein der Woche

10.07.2015 17:39

Das erste Mal bin ich 2012 an Michael Schmidt’s Esstisch in Ahrweiler, umgeben von den steilen Weingärten des Ahrtals, mit Alexander Laible in Berührung bekom-men. Wir arbeiteten uns durch dutzende nicht-VDP Rieslinge, von trockenen Ein-stiegsweinen bis hin zu honigsüßen Auslesen. Und plötzlich ließ uns in einer Pa-lette von kartonverpackten Weinflaschen ein Wein innehalten.

Immer wieder kehrten wir im Laufe des Tages zu diesem einen Wein zurück und jedes Mal bestätigte sich unser erster Gedanke: dieser war etwas Besonderes. Es handelte sich um Laibles Tausend Sterne Riesling 2011 und als die Kartonverpa-ckung aller Weine entfernt wurde, stelle sich heraus, dass Laible durchgängig überzeugt hat.

Drei Jahre später stieß ich im Zuge des „The WineBarn tasting“s erneut auf Laibles Weine. Diesmal war es der Alte Reben *** trocken, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Wie auch der Tausend Stern drei Jahre zuvor war dies ein Wein, der mir den Atem raubte. Manche Weine sind sehr schwer mit Worten zu beschreiben, und gerade bei den speziell Schönen wünsche ich mir oft, dem Leser stattdessen ein-fach ein Foto davon zeigen zu können. Dies war ein Riesling, der mich an frühmor-gendliches Licht im Tau eines Spinnennetzes [Foto von], glitzernde Wassertropfen auf einem Frauenmantelblatt und einen in der Luft schwebenden Lö-wenzahnsamen denken ließ.

Natürlich gibt es hiervon auch eine viel konventionellere sprachliche Version.

Alexander stammt aus einer Weinbauernfamilie mit einer langen Geschichte. Sein Vater, Andreas, und sein älterer Bruder, ebenfalls Andreas, führen zurzeit das Fami-liengut im Ort Durbach, Baden. Er absolvierte seine Önologieausbildung an der Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg und arbeitete dann für einige Jahre in der Mosel, bevor er zur südlichen Weinregion Baden zurückkehrte.

Mit der Erkenntnis, dass auf einem 7,5 ha großen Gut nicht ausreichend Platz für einen weiteren Winzer vorhanden war, brach der damals 29-jährige Alexander im Jahr 2007 auf und kaufte seinem zweiten Cousin Eugen Schlindwein Weingärten in Sinzheim bei Baden-Baden ab. Die Weinkellerei selbst liegt in Durbach, südlich von Sinzheim und nicht weit entfernt von seinem Bruder. Daher ist es nicht unüb-lich, dass Laible am Tag 100 km auf sich nimmt, um seine Rieslinge zu pflegen. Und dies, ohne seine Chardonnay-Gärten in Lahr, weitere 70 km südlich von Dur-bach gelegen, und die Tatsache, dass all seine Weingärten per Hand gepflegt wer-den, zu erwähnen.

Laible bewirtschaftet seine Weingärten nach biodynamischen Grundsätzen, den Mondzyklen folgend, ausschließlich natürliche Hefen verwendend, und auf den Gebrauch von Chemikalien verzichtend, obwohl er sich zu keinem Zertifizierungs-programm verpflichtet hat.

Er besitzt liebevoll gehegte Parzellen von Alten Reben, manche von ihnen über 50 Jahre alt. Dieser spezielle „Alte Reben“ stammt allerdings von 38-jährigen Alten Re-ben, welche auf Lehmkalkstein gepflanzt wurden, mit Erträgen von etwa 50 hl/ha. In Edelstahl produziert und mit Schraubverschluss abgefüllt, unterscheidet sich die Weinherstellung nicht besonders von herkömmlichen Produktionsarten. Und den-noch verwandelt Laible das Gewöhnliche mit einem leisen, bescheidenen Hauch in etwas Brillantes.

Ich muss an Benjamin Franklin denken: „The discovery of a wine is of greater mo-ment than the discovery of a constellation. The universe is too full of stars.“ („Die Entdeckung eines Weines ist ein größerer Moment als die Entdeckung einer Kons-tellation. Das Universum ist zu voll von Sternen.“)

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