Nach der Ausbildung an der Staatlichen Lehranstalt für Weinbau in Weinsberg beriet Laible einige Jahre Weingüter in Rheinland-Pfalz. Erst seit 2007 bewirtschaftet der Sohn des Winzers Andreas Laible aus dem badischen Durbach sein eigenes Weingut - seitdem wird er von Weinfachleuten und Gourmets mit Lob überhäuft. Auf 8,5 Hektar Rebflächen in der Umgebung von Sinzheim und Lahr baut er Riesling, Weißburgunder und ein wenig Lemberger an. Weil ein Gehöft fehlte, baute er eine alte Bäckerei zum Weinkeller um. Zu Laibles Vorbildern gehört der Pfälzer Winzer Müller-Catoir und der eigene Vater, der einen der renommiertesten Betriebe in der Ortenau führt. Die Herkunft und die Tradition der Winzerfamilie haben Laible sicher geholfen, doch von Namen und Auszeichnungen allein lassen sich Sommeliers nicht überzeugen. Immer wieder hat der heute 30 Jahre alte Winzer seine Kühltasche mit Rieslingen bepackt und ist in Restaurants in Berlin und anderen Großstädten vorstellig geworden. In einigen gehobenen Restaurants stehen sie nun auf der Weinkarte.
Kürzlich wurde Laible abermals belohnt: Eine Jury des von der baden-württembergischen Landesregierung ausgelobten Artvinum-Preises, an dessen Vergabe sich auch die Grand Jury Européen und der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) beteiligten, wählte ihn zum “europäischen Jungwinzer des Jahres 2009″. Laibles Erfolgsrezept ist die “Entdeckung der Langsamkeit beim Weinanbau”: lange, “handgeführte” Spontangärung, gründliche Selektion der Trauben, keine Pumpen bei der Verarbeitung und so wenig Schwefel wie möglich. “Ich baue die Weine extrem riskant aus, ich arbeite mit einer langsamen Vergärung und lasse dem Wein sehr viel Zeit”, sagt Laible. Fast alle Spitzenwinzer in Baden-Württemberg, die den Ruf des zweitgrößten deutschen Anbaugebiets in den vergangenen zehn Jahren gemehrt haben, erreichten enorme Qualitätssteigerungen, indem sie sich von Methoden industrialisierter, beschleunigter Weinverarbeitung verabschiedeten. Laible ist diesen Weg der Entschleunigung wohl besonders konsequent gegangen, er setzt im Weinberg auf anthroposophische Regeln wie den Mondzyklus und ist dabei doch kein Ökowinzer. Laible sagt, er kombiniere die besten Methoden des konventionellen Weinbaus mit den besten des biodynamischen Anbaus.
Die Hochglanzbroschüren zur Vermarktung der “Metropolregion Oberrhein” schmücken sich mit dem jungen Winzer. Laible freut sich darüber, ohne sich zurückzulehnen: “Wem es zu gut geht, der wird fett”, sagt er. Das gelte für Menschen und Trauben.
RÜDIGER SOLDT, 02 Mai 2009
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